209
„Ja— ja; und dann glaubte ich es mitunter ſelbſt— ich wollte es glauben, feſt glauben, als
neine Verzweiflung ihn zurückbrachte— zurück an
mein Herz.— Aber meine böſen Träume ſchreckten ihn wieder fort von mir— er ſagte kalt und beſtimmt: es iſt unmöglich, ich kann nicht länger mit dir leben, und wär's auch nur ein böſer Traum, der dich quält.— Und ging und kehrte nicht wieder.— Mit ſeinem Gehen wachtem alle böſen Geiſter wieder in mir auf, und das Kind, das ich gebar, mahnte mich nur an das Getödete.“
Sie verhüllte ihr Geſicht, und freundliche Gaſt verſetzte tröſtend:
„Sie waren krank, ſehr krank. Ich erkannte dies, als man, zu ihrem Troſte, mich hieher ſandte. Auch fanden ſie ja bald in dem Opfer Beruhi⸗ gung, das ſie durch die Hingabe ihres Kindes brachten; und gewiß, ſie haben ſich den Himmel ganz damit verſöhnt. Ihre Tochter iſt ein Engel ſchon hinieden, der Engel der Verſöhnung. Su⸗ chen ſie ſich zu faſſen, Gräfin, auf daß 6 Opfer nicht vergeblich ſei.“
„Er kann jede Stunde eintreffen,“ erwiderte
ſie ängſtlich—„ſie müſſen ſprechen für mich, ich Stein, Die Braut im Kloſter. I. 14


