26
in den Hintergrund der Stube zurück, wo neben dem großen Ofen eine niedere Bank ſtand. Auf dieſer ließen ſie ſich nieder. Was Manuela that, wurde nie gerügt, ſo auch dieſe Abweichung von dem Gewohnten nicht. Frau Thereſe nickte ihr freundlich zu und begann dann zu leſen.
Wilhelmine lauſchte kaum minder aufmerkſam, als Manuela, was dieſe mit großem Vergnügen bemerkte und ihr den Ankömmling gleich lieber machte, als alle die Andern, die mit ſo zerſtreuten Mienen am Tiſche ſaßen, und während der Vor⸗ leſung der Nonne mit verſtohlenen Blicken und Winken ſich von ans andern Dingen unterhielten.
Daher kam es auch, daß ſie nie wieder zu erzählen wußten, was Frau Thereſe geleſen, und die gute Nonne gar nicht begreifen konnte, warum nur die Jüngſte, Manuela, das Talent des Wie⸗ dererzählens beſaß.
Während einer Pauſe flüſterte dieſe Wilhel⸗ mine zu:
„Heute mußt du die ſchöne LegenblMei Tiſch erzählen, das wird Mutter Hildegard erfreuen, und die großen Mädchen müſſen ſich ſchämen, die nie etwas wiſſen. Du kannſt doch erzählen?“


