18 neben ſtand. Ebenſo nahm Wilhelmine die Zärt⸗
lichkeiten ihrer Mutter auf: ſie ſchmiegte ſich
nicht inniger an ſie an, noch hatte ſie einen durch Thränen lächelnden Abſchiedsblick für ſie. „Grüße den Vater,“ ſprach ſie ſo hin, nur, wie um etwas zu ſagen;— vielleicht auch in dem dunkeln Gefühl, das peinliche der Abſchieds⸗ minuten damit zu beſchleunigen. „Soll ich eine Schweſter Franziska nicht auch
von dir grüßen?“ fragte die Mutter mit Vorwurf.
„Mache das, wie du willſt; Franziska wird es einerlei ſein;“ erwiderte Wilhelmine, und ihr umflortes Auge blitzte einen Moment ſtechend auf.
Eine kleine Pauſe trat ein, dann murmelte die Mutter etwas von Trotz, Eigenſinn und Lieb⸗ loſigkeit, wobei jedoch nicht zu unterſcheiden war, ob dieſe Anſchuldigungen Wilhelmine oder Fran⸗ ziska galten, oder Beiden zugleich.
Leonore nahm jetzt Abſchied von der Priorin, einen gemeſſenen, formellen Abſchied, wobei ſie in Betreff des Kindes nur noch ſagte:
„Ich ſcheide ruhig, denn nirgends wüßte ich einen Ort, wo ſie beſſer aufgehoben wäre, als hier bei dir.“
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