Dinge geſtalte, um ſich daran zu erfreuen zu grauen, jedenfalls aber ſich damit zu unter⸗ halten, denn Wilhelmine war ſo lebhaft mit den eigenen Gedanken beſchäftigt, daß ſie erſchrocken zuſammenfuhr, als die Priorin ihren Namen rief, und erſt ſich ſammeln mußte, um ſich in ihre Um⸗ gebung hineinzufinden.— Sie blieb eine Weile wie taumelnd ſtehen und antwortete nicht; da rief auch ihre Mutter ihr zu, und jetzt erſt nahte ſie dem Tiſche, an dem dieſelbe noch neben der Prio⸗ rin ſaß, doch ohne Laut und mit geſenktem Blicke.
„Das Mädchen iſt klein und ſchmächtig für ihr Alter,“ bemerkte die Priorin.
„Wilhelmine war viel krank,“ ſagte gleichſam entſchuldigend die Mutter. Dann zog ſie das Kind an ſich heran und ſprach zu ihm:„Ich ſcheide jetzt auf lange Zeit von dir; doch du biſt wohl geborgen, du bleibſt in einem gottgeweihten Hauſe zurück. Sei brav, ſei folgſam; beſſere dich, Wil⸗ helmine; laß mich bald Gutes von dir hören.“
Sie ſtrich bei dieſen Worten recht zärtlich über das Haupt des Kindes hin und drückte einen Kuß darauf, währenMihr Auge forſchend auf der Priorin weilte, die ohne ſichtliche Erregung da⸗
Stein, Die Braut im Kloſter. I. 2


