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„Die Priorin dieſes Kloſters ſteht vor dir, Leonore, und dort iſt dein Kind. Laß uns zu dieſer Angelegenheit kommen.“—
Ein höhniſcher Zug ſpielte um Leonorens Mund; doch die Priorin bemerkte es nicht; ſie winkte eben das kleine Mädchen zu ſich her, das noch an der Thüre ſtand und mit ſeinen großen Augen an den kahlen Wänden hinaufſtarrte.
Nur langſam folgte das Kind dem einladen⸗ den Winke. Der prüfende Blick der Priorin ver⸗ finſterte ſich etwas beim Näherbeſchauen der Klei⸗ nen, deren Geſicht von kränklicher Bläſſe und wenig anſprechenden Zügen war. Selbſt das Auge, deſ⸗ ſen Schnitt und Glanz ſchön genannt werden mußte, ſah aus dem hagern Geſichtchen ſo un⸗
heimlich groß heraus, daß es einen mehr pein⸗
lichen, als angenehmen Eindruck machte. „Wie heißt du, und wie alt biſt du?“ fragte die Priorin das Kind, während ſie eine Schublade aufzog und ſüßes Backwerk herausnahm, um es ihm zu geben. „Ich heiße Wilhelmine; wie alt ich bin, weiß ich nicht,“ antwortete die Kleine. Wie, Wilhelmine,“ fiel ihre Mutter ein,„du


