222
ſeinen Abſchied, allerdings mit dem Charakter als Generallieutenant.
Ein heftiger Schmerz ergriff den alten Soldaten, der im Dienſt faſt ſein ganzes Leben zugebracht hatte, bei dieſem unerwarteten Schickſalsſchlage; er kam ſich
8 vor, als hätte er ein großes Verbrechen verübt, für das man ihn ſtrafte. Er, der bisher an der Spitze von vielen Tauſenden geſtanden, deſſen Winke für Jeden Befehle geweſen, war jetzt in den Ruheſtand verſetzt, galt Niemand mehr als ein alter penſionirter Krie⸗ ger, der unfähig geworden, länger im Dienſte zu blei⸗ ben, dem höchſtens noch ein guter Bekannter aus Mitgefühl die militäriſchen Ehren erwies. Jetzt wäre
er nicht länger in K. geblieben, wo jedes Kind ihn in ſeiner Glanzperiode gekannt, und hätte ihm das Schei⸗ den das Leben gekoſtet.
Noch mehr als ihr Gemahl empfand Frau von Wüſtenbrink die Pein geſunkener Größe. Von den ſämmtlichen Offizieren der Garniſon war ihr bisher mit der größten Hochachtung begegnet worden, ſie hatten gewetteifert, ein wohlwollendes Lächeln von ihr zu empfangen; die Offiziersdamen, die ſie nur zu oft den höhern Ran ihres Gemahls hatte ggpfinden laſſen, waren dennoch genöthigt geweſen, ihr zu hul⸗ digen, ſie hatte in allen Geſellſchaften den Ton ange⸗


