Teil eines Werkes 
1. Band (1869)
Entstehung
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und unnatürlich finden, und es läßt ſich auch nicht hinwegleugnen, daß ein ſtarrer weiblicher Charakter dazu gehört, den Bitten und Thränen der Tochter ge⸗ genüber ungerührt zu bleiben. Indeſſen müſſen immer⸗ hin einige Nebenumſtände in Betracht gezogen werden, die das Auftreten der Generalin einigermaßen in ein milderes Licht ſtellen.

Wie ſchon angeführt, hatte der Rittmeiſter Walden ihre volle Zuneigung gewonnen, ſie hielt ihn für einen der ausgezeichnetſten Männer auf der Welt und es ſchien ihr unmöglich, daß eine Frau an ſeiner Seite unglücklich werden könne; im Gegentheil, Alicens Glück erſchien ihr feſt begründet, wenn ſie ihrem Rathe folgte. Die Liebe zu dem bürgerlichen Soren war der adelſtolzen Dame ein Verbrechen, um ſo mehr, als ſie den jungen Mann von früher her aus dem Grunde ihres Herzens haßte. Frau von Wüſtenbrink hatte nie geliebt, ſie kannte ſomit die Macht, die Seligkeit und die Schmer⸗ zen dieſes Gefühls nicht, deshalb konnte ſie ſich auch nicht entſchließen, dem Eigenſinn der Tochter gegen⸗ über ein Opfer zu bringen, indem ſie die eigenen Wün⸗ ſche bekämpfte.

Kaum hatte der General einige Tage in K. geweilt, als er die Anzeige erhielt, daß ein weitläufiger Ver⸗ wandter von ihm geſtorben ſei, der keine nähern Erben