178 Erde, reichte dem Poſtillon einige Geldſtücke und ver⸗ ſchwand in dem dunkeln Flur des einſam und wie verlaſſen daliegenden Gebäudes.
Einen Augenblick ſpäter ſtand er vor der in Trauer gekleideten Frau Liewe.
Der Graf ſtutzte, eine Frage wollte ſich aus ſeinem Munde Bahn brechen, aber die Stimme verſagte ihm den Dienſt; forſchend blickte er um ſich, nirgends ge⸗ wahrte er eine Spur von der Geliebten.
Frau Liewe hatte den jungen Mann kaum erblickt, als ſie in lautes, jammervolles Weinen ausbrach und rief;„Sie kommen zu ſpät, ſeit heute Vormittag ruht meine Tochter im Grabe!“
Der Referendar taumelte, keines Wortes mächtig, in den nächſten Seſſel.
Lange ſaß er da, das Haupt in die Hand geſtützt und unfähig, ſich aufzurichten. Währenddeſſen erzählte die unglückliche Mutter, oft von lautem Schluchzen unterbrochen und indem ſie ſich ſelbſt anklagte, wie Anna geſtorben und was ſich vorher, ſeit ihrem letzten Begegnen, zugetragen, auch wie der Oheim ſie zu bereden gewußt, die Tochter dem Pfarrer Stade zu verloben.
„Wann ſtarb Anna?“ fragte endlich der junge Mann mit vieler Anſtrengung.


