Die Gärtnerin erhob ſich, kreuzte ihre Hände über der Bruſt und blickte ſtumm auf das Antlitz der Schei⸗ denden. Zwar rannen noch Thränen über ihre Wangen, aber kein Laut entfuhr mehr ihrem Munde, ſie wollte ihrem Kinde ja die letzten Augenblicke nicht trüben.
Stade ſtreifte zufällig ihren Blick. Von dieſer Se⸗
kunde an liebte er die Gärtnerin wieder wie früher. Es lag ein Meer von Schmerzen, eine Welt voll Kum⸗ mer in dieſem Blicke ausgeprägt. Der Vater ſprach keine Silbe, auch vermochte er nicht zu weinen; ſein Schmerz äußerte ſich nur in einem häufigen Zucken ſeiner Geſichtsmuskeln und in der Bläſſe ſeines Antlitzes.
Noch einmal winkte Anna dem Pfarrer zu, ein freundlicher, liebevoller Blick grüßte ihn, ihre Hand zuckte leicht in der ſeinen, als wolle ſie ihm noch einen ſanften Druck ſpenden, aber die Kraft verließ ſie. Ihre Lippen bewegten ſich, Stade legte ſein Ohr dicht an ihren Mund und lauſchte.
„Sage meinem Julius, er ſei mein letzter Gedanke, ſein Name mein letzter Seufzer geweſen!“ flüſterte ſie. „Und Du, vergib mir, ich hätte Dich gern ſo wie ihn geliebt, denn Du biſt der beſte Menſch; aber ich konnte es nicht“ ſetzte ſie leiſe hinzu.


