170
thun, was der Sterbenden Troſt und Hülfe bringen konnte.
Mehrere Minuten verſtrichen, dann wandte ſich Anna an die weinenden Aeltern, ſtreckte ihnen die Hände entgegen und flüſterte:„Jetzt, Ihr Guten, lebt wohl! O bitte, trauert nicht ſo tief um mich, bald ſehen wir uns ja wieder. Verzeiht mir alle Schmerzen, die ich Euch bereitet habe.“
Die Gärtnerin warf ſich über das Bett und ſchrie in wilder Verzweiflung: Mein Kind, mein Kind! Ich glaubte Dich glücklich zu machen und habe Dich ge⸗ tödtet. O nimm mich wenigſtens mit Dir! Was ſoll ich noch auf Erden, wenn Du mir fehlſt?“
Anna ſandte der Mutter einen tröſtenden Blick zu. „Du warſt immer gut und liebevoll gegen mich, ich bin Dir tauſend Dank ſchuldig!“ hauchte ſie hin.
„Mein Gott, mein Gott, erbarme Dich, nimm das Leben einer alten Frau als Opfer hin für meine Ver⸗ gehen; aber laſſe mein Kind, meine Anna leben“ ſchrie Frau Liewe troſtlos.
Anna zuckte aufs neue ſchmerzlich zuſammen, ihr Mund verzog ſich, als wollte auch ſie weinen.
„Faſſen Sie ſich“ ermahnte Stade.„Sie erſchweren der theuren Sterbenden das Ende und das iſt nicht recht.“


