13
Siegerin daraus hervorgehen wollte, immer riß ſie das
entzückende Bild des jungen Grafen, ſein überaus liebe⸗ volles, zärtliches und treues Weſen in den ſchon als beendet betrachteten Kampf zurück. Daß ſie hiernach unfähig war, wie ſonſt aufmerkſam zu arbeiten, iſt ſelbſtverſtändlich. Auch ſie hatte ja ſo unendlich viel zu denken, daß ihr Geiſt allein, ohne Ruhe des Körpers, unmöglich den an ihn geſtellten Anforderungen genügen konnte. Unwillkürlich begannen immer von neuem die Hände müßig dazuliegen und oft ſaß ſie lange ſchweigend da, träumeriſch vor ſich in den Schooß ſchauend, und ein paar ſtille Thränen traten unbemerkt in ihr Auge, bis die Lehrerin ſie aus ihren Betrach⸗ tungen aufrüttelte, indem ſie ihr zurief:„Fräulein Annchen, wie wird es mit Ihrer Stickerei? Ich glaube beinahe Sie hegen eine unglückliche Liebe, die Sie ganz in Anſpruch nimmt!“
Dann raffte ſie ſich mit großer Willenskraft empor, begann emſig die Nadel zu führen, bis nach wenigen Minuten der eben beendete Zuſtand ſie wieder gefangen nahm.
Es gibt Stunden im menſchlichen Leben, in denen das Herz auf unerklärliche Weiſe von einer erdrückenden Angſt gepeinigt wird; der arme Sterbliche weiß ſich keinen Grund für ſeine Seelenqual klar zu machen,


