Teil eines Werkes 
3. Band (1870)
Entstehung
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und im erſten Zorn gleich jede Brücke zwiſchen ſich und ihr abbrechen können, daß er gegen den eigenen Vater ſie angeklagt hatte, ſo war doch nicht jede Hoffnung in ihr erſtorben, er werde ſeine Uebereilung einſehen, ſobald er ihren Brief geleſen, und reuig zu ihr eilen. Sie wollte ihm dann Alles, Alles mittheilen. Dadurch glaubte ſie ihm für immer jeden Zweifel an ihre Treue zu nehmen, und wenn er eingeſehen, wie grundlos er ſie ver⸗

dächtigt, dann mußte er ſeinen Vater, der nach dem Aus⸗

ſpruch ihrer Mutter ja gar nicht gegen ſie eingenommen war, leicht bewegen, ſie als Tochter anzuerkennen.

Sein Vater! Er hatte ſie ſo freundlich angeblickt, ſein Auge war wohlwollend und voll Herzlichkeit auf ihrem Antlitz ruhen geblieben, bis er ſie voll Achtung gegrüßt hatte. Das war kein Zeichen von Haß..

Unter ſolchen Erwartungen, Wünſchen und Schlüſſen floh auch dieſer Tag, einer der längſten im Leben der Jungfrau, in das Reich der Vergangenheit dahin; der Abend kam und mit ihm die Zeit, in welcher Anna die Nähſtunde verließ und dem älterlichen Hauſe zu⸗ eilte. Schneller denn je machte ſie ſich auf den Weg; ſie hatte ja die größte Eile, denn vielleicht wartete in der Laube der Geliebte auf ſie.

Zu ihrem nicht geringen Mißbehagen begegneten

ihr vor dem Thor einige befreundete Damen, die ſie Steffens, Standesvorurtheile. II. 2