Teil eines Werkes 
3. Band (1870)
Entstehung
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Warum weinſt Du? Verdienſt Du dies vnn ihm? rief Frau Liewe, indem ſie die Tochter ins Auge faßte.

Nein, wenn ich mich ſchuldig wüßte, wollte ich ruhig dulden hauchte Anna leiſe hin.

So ſei guten Muths, die Zeit wird Deinen Kummer lindern! Hätteſt Du meinen Rathſchlägen Gehör gegeben, ſo wäre Dir Dein jetziges Leid erſpart geblieben. Du haſt gegen meinen Willen Gefühle in Deinem Herzen genährt, die Deinen Frieden untergraben mußten, des⸗ halb kommt nun die Strafe. Aber glaube mir, es be⸗ lohnt ſich jedes Unrecht in der WVelt, der Graf wird ungleich ſchlimmer büßen müſſen als Du.

O möchte er recht glücklich ſein!

Du biſt ein ſonderbares Kind, küſſeſt die Ruthe, die Dich ſchlägt. Doch wie Du willſt!

Ich darf den Grafen nicht anklagen.

Weil Du ein thörichtes Mädchen biſt. Thue übri⸗ gens, wie Du willſt, ich kann Dir in Betreff Deiner

Empfindungen keine Vorſchriften machen; was ich in⸗

deſſen von Dir verlange, iſt: Dich wie ſonſt zu beſchäf⸗ tigen und in Allem Deinen alten Gewohnheiten nach⸗ zuleben, auch nie den Grafen zu erwähnen; ſo wirſt Du am erſten Dein gegenwärtiges Leid verwinden.

Anna erwiderte nichts. Wenn ſie auch recht traurig darüber war, daß Julius ſo böſe hatte über ſie urtheilen