Teil eines Werkes 
3. Band (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

Frau Liewe mochte Mitleid mit dem Zuſtand ihrer Tochter empfinden, ſie fuhr in freundlicherer Weiſe, wie ihr ſonſt eigen war, fort:Tröſte Dich, mein Kind! Dieſe Herren ſind einmal nichts werth, ſie glauben, wir wären lediglich dazu da, ihre Sklaven zu ſein. Wohl ſind ſie freundlich und herablaſſend gegen uns, ſo⸗ lange wir uns demüthig in ihren Willen fügen, ſobald wir aber zeigen, daß wir dieſelben Menſchenrechte bean⸗ ſpruchen wie ſie, geben ſie ihre wahre Anſicht kund.

O Mutter, der junge Graf iſt gut und edel, er kennt kein Standesvorurtheil!

Dieſe Behauptung brachte die Gärtnerin in Har⸗ niſch.Der iſt grade der ärgſte Halunke! rief ſie. Nur zu bethören gedachte er Dich; und da ich ihm die Gelegenheit hierzu genommen, ſpricht er verächtlich von Dir. Sein Vater erſcheint mir freundlich und einſichts⸗ voll; ich glaube beinahe, daß er dem Schändlichen ſeine Einwilligung zur Verbindung mit Dir nicht vorent⸗ halten hätte, wenn dieſer ernſtlich im Willen gehabt, Dich zu heirathen.

Aber, liebe Mutter, der junge Graf befindet ſich über mich im Irrthum er denkt, Herzer beſitze meine Liebe!

Woher weißt Du das?

Anna kam in Verlegenheit. Stotternd erwiderte ſie:Du hätteſt nur hören ſollen, was der Baron