heimlichen Zuſammenkünfte mit ihm und oft bittere Thränen über ihre Wangen rollten aus Reue über den
Ungehorſam gegen die Mutter, vermochte ſie dennoch
nicht ihn zu laſſen⸗ O, ſie liebte ſo innig und treu,
war ſo ganz für das Glück und Wohl des Einzigen
beſorgt, dem ſie freudig ihr Leben zum Opfer gebracht
hätte, daß ihr erſter und letzter Gedanke ſtets Julius
Sacco war, bei all ihrem Thun die Frage in ihr auf⸗
tauchte: Würde er wohl glücklich darüber ſein, wenn er dich jetzt ſähe?
Auf eine fühlbare Weiſe wurde ſie aus ihren ſüßen und doch ängſtlichen Erwartungen geriſſen, als ſie in dem Garten angekommen war, um den Geliebten zu finden, und ſtatt deſſen den von ihr gehaßten Baron traf. Doppelt ſchwer fühlte ſie ſich durch deſſen Gegen⸗ wart bedrückt, denn einmal war nun ihr Verhältniß zu dem Grafen verrathen und andererſeits konnte dieſer jeden Augenblick nahen und den frechen Offizier zur Rechenſchaft ziehen. Was ſollte daraus entſtehen? Zwar zitterte ſie auch vor dem wilden Blick des Lieu⸗ tenants, doch das war mehr die Folge der Ueber⸗ raſchung als der Furcht; beſondere Aengſtlichkeit wohnte ihr nicht inne und ſie brauchte dieſe auch nicht zu hegen, denn ein lauter Hülferuf mußte ſofort den Vater herbeiziehen.


