Teil eines Werkes 
2. Band (1870)
Entstehung
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Sie befand ſich ganz allein zu Hauſe. Anna hatte über heftige Kopfſchmerzen geklagt, überhaupt ein höchſt krankhaftes Aeußeres zur Schau getragen und war des⸗ halb von der Mutter zu einem Spaziergange veranlaßt worden, der Gatte hingegen beſchäftigte ſich im Garten.

Neugierig öffnete Frau Liewe die Thür, ſie ſtand vor den Grafen Sacco.

Auf den erſten Blick erkannte ſie den einen der⸗ ſelben wieder. Schnell fuhr ſie ſich mit der Hand nach dem Kopfe und rückte die darauf befindliche Haube zurecht, welche durch eiliges Arbeiten in eine etwas ſchiefe Lage gekommen war, dann rief ſie in freund⸗ lichem Ton:Der Herr Graf!

Jawohl, und mein Bruder, der Vater des Unter⸗ oſſiziers! entgegnete der Genannte.

Alſo wirklich der Vater des jungen Soldaten? Was ſich die hohen Herren doch bemühen! Nun, Sie treten wohl gütigſt näher, rief die Gärtnerin vergnügt.

Wir kommen, verehrte Frau, um eine ernſte An⸗ gelegenheit mit Ihnen zu regeln! begann der Vater, während er die Schwelle der Thür überſchritt. Der Empfang deutete ihm an, daß die gute Frau ſeinem Erſcheinen unrichtige Gründe unterlegte, er wollte ſie

aber nicht lange in ihrer Täuſchung laſſen. Steffens, Standesvorurtheile. II. 12