169
Julius wollte aufbrauſen, er liebte ja noch immer und konnte es nicht dulden, daß der Gegenſtand ſeiner aufrichtigſten Neigung beleidigt wurde. Aber er beſann ſich. Was durfte er entgegnen? So ſchwer es ihm auch wurde, mußte er ſich doch ſelber ſagen, daß der Oheim nur zu ſehr Recht habe.
Dieſer nahm ſeinen Vortheil wahr und fuhr fort: „Du weißt, lieber Julius, wie ſehr ich Dich ſtets ge⸗ liebt habe, ja wie ich ſogar immer ſchwach genug war, Deine Unarten als Knabe zu beſtärken, nur um Dir nicht wehe zu thun. Ich wußte um Deine Liebe zu der Gärtnerstochter und ſuchte Dir dieſe zu verleiden, denn ich ſah voraus, daß ſie Dir nur Leid bringen könne. So ein Mädchen muß, wenn ſie ehrlich ſein will, ſich doch ſagen, daß ſie nicht zur Gräfin paßt. Läßt ſie ſich aber mit einem hochgeſtellten Manne auf eine Liebſchaft ein, ſo iſt ſie leichtfertig und auch in dieſer Liebe nicht treu. Ich ſehe, Du haſt erfahren, was ich längſt kommen ſah. Denke doch nur, Lieu⸗
tenant Herzer wohnt bei ihr im Hauſe, er iſt gewiß
ein hübſcher Mann, der es verſteht, die Mädchen zu be⸗ thören, wie konnteſt Du nur glauben, gegen ihn bevor⸗ zugt zu werden? Nein, nein, ſie wollte Dich und ihn zum Anbeter haben! Du haſt gewiß verſäumt, ihr
werthvolle Geſchenke zu machen, deshalb zog ſie den,


