Teil eines Werkes 
2. Band (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Sacco fühlte ſelber, wie von Tag zu Tag mehr die heftigen Schmerzen ſchwanden, welche ſein Körper bis dahin ertragen hatte, und ſowie ſeine Kräfte wieder zunahmen, das jugendliche Blut in ſeinen Adern ſchneller zu pulſiren begann, wurde auch von neuem der Wunſch in ihm rege, Anna noch einmal zu ſehen und zu ſprechen.

Es ging ihm wie den meiſten Liebenden, er konnte es nicht faſſen, daß ſeine innigſten Gefühle ohne Er⸗ widerung bleiben ſollten. Vielleicht war Anna jetzt geneigter, ihn zu erhören, denn ſie mußte ſeinen Unfall erfahren und gewiß dabei gedacht haben, daß er aus Schmerz über ihre Abweiſung der größten Gefahr Trotz geboten.

Mit ähnlichen Gedanken beſchäftigte er ſeinen Geiſt faſt unausgeſetzt während der langen Tage und Nächte ſeines Krankenlagers, die wie Jahre an ihm vorüber⸗ zogen und kein Ende nehmen wollten. Die Hoffnung erhielt ihn aufrecht, Anna Liewe, dieſer Engel an Körper und Geiſt, werde nicht anders können, als ſeine treue hingebende Liebe mit Gegenliebe belohnen, wenn ſie nur erſt wiſſe, welche Macht ſie über ſein Herz beſitze.

So waren ſechs Wochen vergangen ſeit dem letzten Begegnen zwiſchen dem Grafen Sacco und Anna Liewe;