Teil eines Werkes 
2. Band (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

nicht annehmen dürfe, zwang ihn zu noch größerer Hochachtung.

So verſtrichen die erſten Tage ſeines Kranken⸗ lagers. Die beſorgten Aeltern, welche ſofort aufs ſchonendſte von ſeinem Unfall benachrichtigt worden, hielten ſich ſelber faſt unausgeſetzt in ſeiner Nähe auf. Gern hätte ihnen Julius offenbart, was ſein Herz fort⸗ während beſchäftigte und marterte, aber er konnte ja nicht behaupten, daß ſeine Liebe erwidert werde, und ſo bewahrte er denn das Geheimniß, das ihm ſchon ſo viele ſchwere Stunden bereitet und nur wenig glückliche Augenblicke geſchaffen, ſtill in der eigenen Bruſt.

Von Anna erfuhr er keine Silbe. Obgleich der Baron von Herzer ihres Wortwechſels nicht mehr zu gedenken ſchien, ſobald er von ſeinem Unglück erfahren, und ihn täglich beſuchte, ſo hütete er ſich doch wohl⸗ weislich, Anna Liewe auch nur mit einem Wort zu erwähnen, und der Graf gewann es nicht über ſich, nach ihr zu fragen. Was hätte ihm das auch nützen ſollen?

Seine Wunden begannen mit der Zeit zu heilen, die bis dahin ungeſchwächte jugendliche Kraft, welche ihm innewohnte, beſiegte alle Gefahren, die ſein Leben be⸗ drohten, ſchon nach einem vierwöchentlichen Krankenlager ſprachen die Aerzte von ſeiner Geneſung wie von einer ausgemachten Sache.

.