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Noch immer in der größten Aufregung, wandte ſie ſich der Wohnung ihrer Lehrerin zu, aber auch hier in der Geſellſchaft mehrerer junger Damen wollte die in ihr Herz gezogene Unruhe nicht von ihr weichen. Sie war für den ganzen Nachmittag unfähig, wie ſonſt voll Fleiß und Aufmerkſamkeit zu arbeiten, immer wieder ließ ſie die Hand ruhen und blickte gedankenvoll und träumeriſch vor ſich nieder, wenn ſie auch für kurze Momente ſich zu beherrſchen ſuchte. Was er nur hat ſagen wollen? dachte ſie. Und ſo oft dieſe Frage in ihrem Köpfchen auftauchte, wurde ihr ſo heiß, daß ſie am liebſten hinausgeeilt wäre ins Freie, um durch einen recht weiten Spaziergang ihr aufgeregtes Gemüth zu beruhigen.
Als ſie am Abend ohne jede Begleitung den Heim⸗ weg antrat, blickte ſie vergeblich nach den Stellen hin, auf denen ſie den Grafen ſonſt geſehen, er war nicht dort, und wenn ſie dies auch nicht beunruhigen oder befremden konnte, ſo kam doch ein Gefühl der Ent⸗ täuſchung über ſie; von einer Trauer erfüllt, wie wohl noch nie in ihrem Leben, langte ſie in der Neu⸗ ſtadt an. 2
Vor dem väterlichen Hauſe ſaßen auf einer nied⸗ lichen Holzbank die Aeltern, in einer lebhaften Unter⸗
haltung begriffen. 10*


