Teil eines Werkes 
1. Band (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

139

bietigen Gruß zuzuſenden, den ſie ſtets ſchüchtern, aber freundlich erwiderte.

Dieſes tägliche Sehen des Grafen wirkte übrigens höchſt günſtig für ihn in dem Herzen Anna's; ſie be⸗ achtete ſeine ſtille Verehrung nur zu wohl und immer mehr fühlte ſie ſich zu dem Glauben hingeneigt, er ſei ein höchſt edler und vortrefflicher Menſch, der alle Standesunterſchiede verlache und in deſſen Nähe allein die größte Glückſeligkeit wohne.

Bei Sacco wurde das Verlangen von Tag zu Tag reger, endlich einen Schritt zu thun, der ihn von der Qual der Ungewißheit über den Herzenszuſtand der Geliebten befreie. Der einzige Weg, ihr zu nahen, war die Erſpähung einer günſtigen Gelegenheit, wäh⸗ rend ſie zur oder von der Arbeitsſtunde ging. Lange kämpfte er innerlich mit der Frage, ob er es wagen dürfe, ſie bei einem Begegnen auf der Straße anzu⸗

reden. Sein feiner Takt ſträubte ſich entſchieden da⸗

gegen; aber ihr für die Ewigkeit zu entſagen, vermochte er nicht, und was blieb ihm Anderes übrig, wenn er ſich nicht dazu entſchloß, auf zwar ungewöhnliche, aber darum doch nicht verwerfliche Weiſe ſeinem vollen Herzen Luft zu machen?Theilt ſie deine Empfindungen, ſo muß ſie dir die Kühnheit verzeihen, mit der du es wagſt, zu ihr heranzutreten; fühlt ſie ſich aber beleidigt,

3