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klein und edel geformt und die Naſe ſanft gebogen und wohlproportionirt halfen das ganze Aeußere der Jungfrau zu dem eines Engels geſtalten.
Die junge Dame hatte ihre Ausbildung hauptſäch⸗ lich in der höhern Töchterſchule der Stadt erhalten.
Sie war der Stolz und die Freude der Aeltern, ihr
höchſtes Gut; deshalb hatten ſie auch nicht verſäumt, ihr alles das aneignen zu laſſen, was ſie nach ihrem Dafürhalten dereinſt glücklich machen konnte. Doch wir würden irren, wollten wir annehmen, daß Anna von der Mutter zu einem Modepüppchen erzogen worden, daß ſie die Tage mit Putzen und Klavier⸗ ſpielen verbringen durfte, während die alte Frau im Schweiße des Angeſichts das Brod verdiente. O nein! Frau Liewe war eine höchſt praktiſche Mutter. Anna durfte ihre Uebungen fortſetzen; aber jetzt, da ſie die Schule verlaſſen, mußte ſie den Vormittag in der Wirthſchaft und im Garten helfen, während ſie nach⸗ mittags bei einer Dame weibliche Handarbeiten er⸗ lernte. Bei alledem waltete eine große Differenz zwi⸗ ſchen Mutter und Tochter. Frau Liewe hatte wohl nie eine beſondere Bildung erlangt, und ihr Verkehr auf dem Markte und in dem Geſchäft war nur geeig⸗ net geweſen, ihr in mancher Beziehung etwas Rohes aufzuprägen. Anna dagegen hatte von früheſter Kind⸗


