Teil eines Werkes 
1. Band (1870)
Entstehung
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Doch richten wir jetzt einen Blick in die Wohnung

dieſer Menſchen. Da finden wir neben einander drei

Stuben; zwei ſind echt altbürgerlich, aber höchſt ſauber

35 und nett eingerichtet, die dritte jedoch ſcheint das

Boudoir einer Fee zu ſein. Hier gewahren wir die feinſten Möbel, überall einen wohlthuenden Lurus,

ohne jede Ueberladung, und an dem Flügel ſitzt ein

Mädchen von etwa ſiebzehn Jahren in geſchmack⸗ vollem, einfachem Anzuge und begleitet kunſtgerecht ein Lied, das ſie mit einer glockenreinen und ſchöngebil⸗ deten Stimme ſingt.

Anna Liewe gleicht einem Engel. Jetzt erhebt ſie ſich, ihre zarte, ätheriſche Geſtalt ſchwebt dahin. Die Füßchen ſcheinen kaum den Boden zu berühren, die ganze Figur zeigt ſo viel Grazie, daß der ſtille Be⸗ ſchauer ſich unwillkürlich zur Bewunderung hingeriſſen fühlt. Aber um völlig bezaubert zu ſein, muß man einen Blick in das Auge gethan haben, das dunkle, ſeelenvolle, beſchattet von langen Wimpern und um⸗ . rahmt von kohlſchwarzen Brauen. Dieſer Blick iſt noch heute ſo Manchem, der die Gärtnerstochter kannte, unvergeßlich.

Eine hohe, intelligente Stirn, umrahmt von dem üppigſten Gelock kaſtanienbraunen Haars, die Wangen vom lieblichſten Roth leiſe angehaucht, der Mund ſo