Teil eines Werkes 
1. Band (1870)
Entstehung
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ſie ſeiner zuvorkommenden Freundlichkeit eine ſtolze Zurückhaltung entgegen.

In dem Hauſe des Herrn Liewe ging Alles ſehr ein⸗ fach und bürgerlich her. Zwar beſaßen die alten Leute einen recht leidlichen Wohlſtand, ein ſchönes, großes Haus und hinter demſelben einen umfangreichen, herr⸗ lichen Garten, doch Beides wurde von ihnen nicht etwan zum eigenen bequemen und genußreichen Leben, ſondern lediglich zur Erzielung eines möglichſt bedeutenden Gewinns benutzt. Der Mann hatte körperlicher Schwäche wegen ſein Geſchäft aufgegeben; er war ein ruhiger, leidender Greis, der für ſich nichts erſehnte als fried⸗ liche Stille. Dagegen waltete die Frau mit einer Einfigkeit umher, als gelte es, jeden Tag das kärg⸗ liche Brod zu verdienen. Der Garten war faſt durch⸗ weg mit Gemüſe beſäet und beflanzt, und ſobald die erſten Sprößlinge verwerthet werden konnten, war man ſicher, ſie täglich von früh bis gegen Mittag auf dem Markte, mit Grünzeug handelnd, zu finden. So trieb ſie es vom Frühling bis zum Winter und man wollte wiſſen, daß ſie ganz erkleckliche Summen verdiene. Kam die Obſtzeit heran, ſo wurden die erſten reifen Früchte in kleine Bündchen gepackt und groſchenweiſe verkauft, bis die Maſſe des zu Markt ge⸗ brachten Obſtes ſolche Geſchäfte zur Unmöglichkeit machte.