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es gut gemeint, fromme Schweſter, indem ich Euch an dieſes Kloſters Spitze ſtellte; aber fürwahr, nimmer ſoll ein Fürſt thun, was ihm der Zorn eingibt, bevor er nicht alles reif⸗ lich erwogen und geprüft. Ich ſehe, dieſes Haus wird unter⸗ gehen, wenn auch deſſen Beſſerung noch einmal verſucht würde. Der Kern iſt böſe, und die Wurzel ſchlecht. Tretet wieder hinaus in die Welt, unter die Eurigen, und verlangt von meiner Gnade, was Euch frommt.“ Da fiel Giſela weinend vor ihm nieder, und bat für ihren Bruder, welcher ruhig an ihrer Seite ſtand, den Feſſeln ſeine Hände ent⸗ gegenſtreckte. Der Graf deutete nach dem Gefolge, welches vor der Kirche geblieben war, und ſagte mitleidig:„Sie hören nicht, was Ihr bittet. Aber Gott hat mein doppeltes Gelübde gehört, daß ich des Reinholds Leben ſchonen wolle, zu jeder Friſt, weil er das meinige dem Lande zweimal erhalten. Aber Du haſt mein Volk geſchädigt, böſer, ver⸗ irrter Menſch. Zeuch hinweg aus Schwaben, hinweg aus dem deutſchen Reiche; der entfernte Mann iſt wie ein todter Mann. Nur auf Deinen Schwur hin, dieſes zu vollbringen, will ich Dir nebſt dem Leben auch die Freiheit ſchenken.“ Da nun der Wildherr gelobte, nach Rhodus zu fahren⸗ und dem Orden zu dienen, als eine billige Sühne für ſeine Thaten, und den Frevel, wovor ihn Gott behütet, ſeine ei⸗ gene Schweſter zu freien als eine Braut, zog der Graf von dannen. Der bitteren Trennungen manche ſtanden noch der Jungfrau bevor; vom Bruder, der ſich alsbald mit ihr letzte; von Poppele's Leichnam, den ſie am Abend zur Erde beſtattete; von dem Kloſter und der Freundin, denen ſie bald ein traurig Lebewohl zurief.— Dann pilgerte ſie gen Hall, Vater und Mutter mit ihrer Hände Arbeit zu ernäh⸗ ren, Heerdegens Kind aufzuziehen mit der Habe ſeines Vaters, der in den Krieg ging, und nimmer wiederkehrte. Alſo verſank in das Dunkel bürgerlichen Lebens der


