Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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Lutz verrieth dem geliebten Herrn, was hier geſchehen, und Heerdegen ſprach zum Bruder mit Verachtung:Ich rettete des Zavelſteiners Erbe für Dich, Du Ungethüm; Du biſt aber böſer, als jene Diebe, die nun im Kerker ihre Strafe erwarten. Behalte jene Habe, jenes Gold, aber nimmer ſage, daß Du mein Bruder ſeyſt. Anshelm ſchaute ver⸗ nichtet zu Boden, und ſeine Wange wurde blaß, gleich des Friedingers Antlitz, der, ein wankendes Geſpenſt, in die Kirche ſchlich, in des Landſäß Arme ſank, und ſchmerzlich ſeufzte: Komm, mein Freund, laß uns ſchnell von hinnen. Mein Lieb iſt todt, und gewiß bricht mein Herz, ſo ich länger bleibe.

Vor dem Altar hielten ſich zwei Glückliche umarmt, und von ihren Augen floßen Thränen des Dankes und der Liebe, aber ſchnell trat wieder in ihre Mitte der Fluch. Schei⸗ benhart näherte ſich mitleidig ſeinem Herrn, und ſagte leiſe: Erſchrecke nicht im Traum Deines Entzückens! Unſere Zeit iſt um, laß uns fliehen, wir retten ſonſt nicht unſer Leben. Der Tag bricht an, und ſchon erklingen von ferne die Heer⸗ pauken des reiſigen Zugs, der von Hohenkrähen wiederkehrt, ſiegreich fördernd den Weg, bei Sonnenſchein und Nacht⸗ zeit.Wehe Dir, ärmſter Reinhold! wehklagte Giſela, des Bruders Angeſicht mit ihren Händen ſtreichelnd:Du biſt ein Räuber, und geächtet? ſo rette Dein Haupt, und frage nicht nach meinen Schmerzen. Mit ernſtem Trotz ant⸗ wortete Reinhold:Ich bleibe; vermag nicht, ſchon von Dir zu laſſen.Und wir, Deine frommen Geſellen, die Gut und Blut für Dich auf's Spiel geſetzt? Der Friedingen iſt fort, mit ihm der Landſäß, und ihnen folgte Heinz. Sie eilen, ſich vor des Grafen Zorn zu ſichern. Was ſollen wir? Geht hin, ich bin nicht mehr der Eure. Geht hin und rettet euch.

Scheibenhart entfernte ſich nach einem Händedruck mit