Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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koſtet mich mein Blut und meine ritterliche Ehre und doppelt wüthet jetzt der Groll in meiner Bruſt.

Haſtige Schritte ſtampften in die Kirche; Scheibenhart und Hünerkogel rißen den Junker von Sperberseck herein, und jubelten:Wir fingen ihn, o Wildherr, fingen ihn beim Schein des Brandes von Gomadingen. Steh auf zur Ver⸗ geltung, greife zum Schwert! Als wäre er in Tigerklauen gefallen, fühlte ſich der Junker ergriffen; hier vom Landſäß, der ihn ſchmähte als den Mörder ſeiner Ehre, dort vom Wildherrn, der ihn vermaledeite als den Schänder ſeines Hauſes. Mächtig kämpfte er gegen die Feinde, entriß ſich ihnen mit Ungeſtüm, flüchtete zum Altar, warf ſich vor der Nonne hin, rufend:Soll ich durch dieſe Mörder fallen als ein wehrloſer Mann, ſo erbarme Dich, o Weib, dieſes Kin⸗ des! Du wirſt für ſein Geſchrei nicht taub und fühllos ſeyn! Aus ſeinem Mantel, von ſeinen Armen reichte er einen weinenden Säugling zum Altar hinauf, und Giſela ſtöhnte, das Kind empfangend:Jeſus, Heerdegen! Junker von Sperberseck! Dem Junker war dieſe Stimme genug; ſie riß ihn vom Boden empor, und mit einer Hand den blutdürſtigen Gegnern wehrend, die mit geſchwungener Waffe an die Stufen drangen, ſtreckte er die andere, außer ſich vor Schmerz und Liebe und Ueberraſchung, gegen die Nonne, indem er ſchrie:O welch ein Himmelsbild in dieſer Mördergruft! O, ſeh' ich Dich noch einmal, ehe ich ſterbe? ach, Giſela, das haſt Du mir gethan? Du ſchworſt dem Heiland, während ich das Land nach Dir durchſpähte? ich habe mich ſo arm gemacht, wie Du es warſt, und finde Dich, verloren für mein Herz?

Tiefe Stille trat umher bei dieſen Worten ein, die Zeugen dieſes Auftritts lagen in des Staunens Ketten. Giſela hob aber das Kind in ihren Armen, und entgegnete mit Ernſt:Schweigt, Herr von Sperberseck, ſchweigt von