Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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ſich allein in das wohlbekannte Gewölbe. Der Luftzug ſtieß noch einmal die Pforte, daß ſie in den roſtigen Angeln knirſchte, und plötzlich zuflog, ſchnappend in das Schloß. Richardis ſtutzte, aber bald ermunterte ſie den Muth, indem ſie flüſterte:Oſtertag kömmt gleich, und ſeine liebe Hand erlöst mich in der kürzeſten Friſt. So wagte ſie noch einige Schritte in den düſteru Raum, tappend an den niedrigen, dicken Säulen, blinzelnd nach dem Sternenlicht, welches durch die Fenſter ſchien. Sie ſtrebte vor nach dem Altar, und ſtutzte wieder, da ſie auf demſelben zwei düſtere Flämm⸗ lein brennen ſah, als ob in weiteſter Ferne auf einer Höhle ſchwarzem Grund zwei Kerzen leuchteten. Ein leiſes Murren klang von dort, und Geſpenſterfurcht wollte das Haar der Nonne ſträuben. Aber ſie raffte ſich zufammen, ſchalt die flackerndrn, leiſe bewegten Flämmlein einen Spuk ihres Gehirns, nannte das dumpfe Murren einen heranziehenden Sturm. Noch einmal ſchritt ſie vor mit keckem Fuß, und trat in's frühe Grab, die Thörin. Rauhe Krallen fuhren plötzlich in ihre Bruſt, in ihren Nacken, ein grauſamer Rachen zerfleiſchte ſie mit ſeinen Zähnen, ohnmächtig ſträu⸗ bend ſtürzte ſie nieder in der Klauen Gewalt, erdroſſelt von der Wuth der reißenden Beſtie, und ſchon hatte ſie im letzten Kampfe unterlegen, als der Friedinger an die Thüre klopfte. Sein Rufen, das Klirren der Schlüſſel, die er lange ver⸗ geblich zu gebrauchen ſuchte, ſtörten den grimmigen Wolf, daß er von ſeiner Beute ließ, die Schnauze triefend von ſüßem Blute, durch ein Luftloch in's Freie ſprang, und auf rothen Krallen dem Walde zueilte.

Mittlerweile ſprach oben in der Kirche der geängſtigte Prieſter, ſtatt eine Trauungsformel zu leſen, auf lateiniſch zum lieben Gott:Rechne mir nicht zu, v Herr, was jetzt in Deinem Hauſe geſchieht. Erbarme Dich der Unſchuldigen, die vor Deinen Augen leidet, erleuchte die Ruchloſen, welche