Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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mir weigerteſt. Lüge nicht, wenn nicht die grimmigſte Nein

Giſela, ſtets noch in den Armen des Wildherrn ſeſige⸗ halten, unvermögend, ihm zu widerſtreben, ſich zu regen, drehte mit unbeſchreiblicher Verachtung das leidenvolle Ant⸗ litz nach Richardis, und redete:Drohe nicht mit Deinen Foltern, raſendes Weib. Des Lebens hab' ich mich ſchon entſchlagen, fürchte Deine Wuth nicht. Frei ſage ich Dir, daß ich die verfluchten Kleinodien in's Geißelgewölbe ſenkte, unter dem Altar verborgen, dicht neben dem Orte, wo Du mich im Kerker ſchmachten ließeſt. Suche dort, und nimm ihn vollends hin, den Fluch, der an dem Golde haftet.

Giſela's Stimme erloſch, ihr Haupt ſank nieder, wie einer geknickten Blume Stern, und Wildherrs ſtreitgeübte Fauſt zitterte an der ſtockenden Bruſt der Jungfrau, doch Richardis kannte das Mitleid nicht, ſchwang frohlockend die Schlüſſel, reichte dem Friedingen eine Kerze, ſprach zu ihm: Folge mir, lieb Herz, folge geſchwind.

Mit leichten Schritten, als zum Tanze, ging ſie dem Ritter voran, verſchwand unter dem finſtern Chorgewölbe, ſtieß zur feuchten Treppe die Thüre auf, und wie von einem matten Irrwiſch umgaukelt, wandelten Nitter und Nonne in die Tiefe. Da ſtarrte von Riegeln und Nägeln die Pforte des Geißelgewölbes, und jeder Zug der Schlüſſel, jeder Ruck der Klammern toste wie unterirdiſcher Donner. Als der Flügel aufging, löſchte der Luftſtrom die Kerze in des Friedingers Hand.Vermaledeit! ſagte er:komm wieder herauf, mein Lieb, daß wir die Kerze friſch entzün⸗ den.Geh allein, Du kühner Mann, antwortete Ri⸗ chardis mit feurigem Kuſſe:ich zittere nicht vor dieſen Grüften, warte herzhaft Dein, und Du wirſt eilen.

Der Friedingen, ſo ſchnell er konnte, ſtieg hinan, und Richardis, von Frevelmuth und Beutegier entflammt, wagte