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„Gedenkt doch, was Ihr redet!“ bat, für ſeinen Herrn zit⸗ ternd, von des Ritters Schlechtigkeit empört, Heerdegens frommer Knecht. Landſäß und Wildherr klatſchten dagegen hohnlachend in die Hände, und der Letztere rief:„Friſch auf, ſo ſteht die Rache in der Blüthe! Unſere Dolche, edler Landſäß, werden ihres Ziels nicht verfehlen. Bindet Ritter und Knecht an jene Säule, und Du, mein wackerer Knabe, eile hinaus, des Junkers zu harren, damit ſeine Rechnung getilgt werde.“ Alsdann ſchritt er raſch auf den Altar zu, dem Prieſter ſagend:„Mach voran und rüſte Dich, ich will mit dieſer heißgeliebten Magd verbunden ſeyn, ehe meine Hand ſich in Blut getaucht.“ Der Prieſter ächzte mit ge⸗ brochener Stimme:„Unglücklicher, was begehrſt Du, ein Gebannter, dieſes lebloſe Weib zu freien?“ Worauf der alte Sperberseck, wie aus dem Schlummer, den Kopf erhob, und gar beweglich warnte:„Wer ſpricht von Hochzeit? werbe nicht, o werbe nicht, Du alter Mann! Greiſe um⸗ armen nur den Tod, wie ich heut Nacht im Grabe den Brautreigen tanzte!“— Der Wildherr riß ſich von ihm los, verwünſchte den Warner, trat entſchloſſen hin vor Giſela, richtete ſie unſanft in ſeinen Armen auf, daß ſie ſchaudernd erwachte und ſprach dringend:„Ziere Dich nicht, holde Braut; biſt nicht die erſte, die einem Kloſter entriſſen wurde, einem ſtarken Maune anzugehören. Meine Bruſt ſchlägt heiße Flammen, kühle ſie, mein Herz.“—„Laß mich, Du Gräßlicher!“ lispelte Giſela, ſtarr wie eine Bild⸗ ſäule; nur die Augen ſuchten ängſtlich Poppele's Leichnam, begegneten aber der drohenden Geſtalt ihrer bitterſten Fein⸗ din.„Will ſie zum Leben bringen,“ ſpottete Richardis, und ſchüttelte die Jungfrau bei den Armen:„Hörſt Du, wie in meiner Hand die Schlüſſel klirren? ich gebiete hier; ſage mir den Ort, wo der Schatz verſteckt liegt, den Du


