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Mutter Züge, und ſank mit dem Angeſicht zu Boden, wäh⸗ rend der Knecht ein lautes Hülfegeſchrei anhob. Hierauf kamen Leute, aber wahrlich keine mitleidigen Helfer. Die Thüre, die ſich aus dem Kloſter in den Friedhof öffnete, wurde heftig geſprengt, und Heinz ſtürmte außer ſich über die Gräber, rufend:„Wer iſt der Frevler, der es wagt, meiner Agnes Gebeine zu ſtören?“ Ihm folgte Scheiben⸗ hart, als ein beſorgter Freund, und da er die fremden Leute fand, auch dem Knecht geholfen, den Alten aus der Grube zu heben, freute er ſich, den Sterndeuter gefunden zu haben, trug ihn auf ſeinen Schultern in den Kreuzgang, von dannen zur Kirche. Anshelm und Lutz traten ihm nach, wie gedul⸗ dige Schafe, der Ritter, von Gewiſſensangſt verzehrt, der Knecht, um ſeine Herren nicht zu verlaſſen. Heinz blieb auf dem Gottesacker zurück, ſeiner Buhlſchaft Namen rufend, und nach ihrem Grabe troſtlos ſuchend.
In der Kirche ſah es wunderlich aus. Hie und da brannte ein Licht, eine lodernde Fackel beſchien den Altar, woran ſich der entgeiſterte Prieſter lehnte, ein Mann des Erbarmens. Vor dem Altar der Wildherr, auf ſeine fürch⸗ terliche Art geſtützt; auf den Stufen Giſela in Ohnmacht ausgeſtreckt; Richardis neben ihr, aufrecht wie eine Siege⸗ rin, den Schlüſſelbund des Kloſters in der krampfhaft ge⸗ ſchloſſenen Hand. Als Zeugen deſſen, was da kommen ſollte, Landſäß und Gensbein, und der Räuber etliche mit gezogener Wehr und Waffen. Der Friedinger, mitleidig ſchauend auf die Ohnmächtige, bebend im männlichen Herzen vor dem fühlloſen Triumph ſeiner Liebſten.— Fragend richteten alle die Blicke nach Scheibenhart und ſeinen Be⸗ gleitern, und der Räuber ſetzte den Greis zu den Füßen des Wildherrn nieder, ſprechend:„Hier Dein alter Prophet, dort ſein geiziger Sohn. Befiehl über das Haupt dieſer Männer.“


