Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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den. Der Alte meinte, die Nonnen ſeyen verzagt, und fürchteten ſich vor Geſpenſtern, wie es denn auch in der That Geſpenſter in dem Kloſter gäbe, wovon er Zeuge geweſen; darum würden ſie nicht kommen, das ſchwere Werk zu unter⸗ brechen. Unterdeſſen ſchaute Lutz beſorglich umher, deutete nach dem Himmel, gegen die Mittagsſeite, und redete kopf⸗ ſchüttelnd:Mein, wie ſind doch die Wolken dort ſo roth, und immer röther flammen ſie, und ſchwarzer Rauch kräu⸗ ſelt ſich empor. Dort brennt ein Dorf, ihr Herren! Die Glut war über Gomadingen, und bald erklang dort die heiſere Glocke im Kirchthurm.Laß brennen, Luß, laß brennen, eiferte Anshelm:um ſo ſchöner wird das Gold funkeln, ſo wir dem Schoos der Erde rauben. Hört Ihr, Vater, die dumpfen Streiche? putze das Licht beſſer, Lutz. Hebe ſie weg, die letzte Schaufel Erde. Lüpfe die Laterne. Ha, ein Kaſten, wir ſind am Ziele!Gott ſegne Dir und Deinem Bruder dieſen Hort! betete der Vater inbrün⸗ ſtig, während der ungläubige Lutz zweifelnd verſetzte:Viel⸗ leicht iſt's nur ein Sarg. Da ſchalt ihn Anshelm mit den Worten:Daß Dich der gelbe Schelm, Du blinder Thomas! Ein Sarg? wo wäre dieſer Kaſten aus rauhen Brettern eine Todtentruhe? heraus mit ihm, hilf mir ihn an dieſem Ende heben. Haltet die Leuchte, Vater. Hu, wie ſchwer, brauche Deine Kraft, lieber Lutz. Lehne den Kaſten an, wir heben ihn dann auf der andern Seite! Wie nun gethan wurde nach Anshelms Befehl, und die Truhe halb aufrecht lehnte, auch der Greis, auf ſeinen Knieen kauernd, fürwitzig in die Grube zündete, brach der Deckel von der Kiſte morſch entzwei, und das aufgedunſene Antlitz der Frau Demuth, ſchon benagt von der Verweſung, aber kenntlich ganz und gar, ſchaute aus dem rauhen Sarge, und der Greis tau⸗ melte ſammt ſeiner Leuchte bewußtlos in das Grab zu ſei⸗ nem Weibe. Anshelm erkannte nicht minder alſobald der