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betäubt an der Wand, über die Treppe ſchallten die Tritie der Räuber. Seinen Blutdurſt zu ſtillen, ſeinem Opfer an den Hals zu kommen, ſtieß Agneſens verblendeter Buhle ſeinem hartnäckigen Gegner das Meſſer in die Rippen, daß ein Geheul, die Steine zu erbarmen, aus dem Munde des zum Tod Getroffenen fuhr, worauf gar bald ſeine erſtar⸗ renden Glieder nachließen, ſein Körper mit ſchwerem Ge⸗ wicht zwiſchen Heinz und Giſela zu Boden fiel.
Nun war freilich keine Schranke mehr zwiſchen dem Feind und der Nonne, aber Giſela hatte ihren Schleier er⸗ hoben, beleuchtete mit vorgeſtreckter Lampe den blutigen Auftritt, und Heinz ſtarrte nun, ſelber verzweifelnd, in das fremde Antlitz. Seine Hände ließen die Mordwaffe, er ſtürzte mit einem Schrei in die Arme der Gefährten, fluchte ſeiner Blindheit, fluchte der gräßlichen Nacht.„Was haſt Du begonnen, Unſeliger!“ fragte Wildherr empört:„kamen wir herein, um zu morden? auf Dein Haupt dieſes Un⸗ ſchuldigen Blut!“ Heinz nickte ermattet, und da Richardis beim Schimmer einer an Giſela's Lampe entzündeten Fackel herzutrat, und Poppele's Leichnam gewahrend, zornig in die Worte ausbrach:„Wehe mir, wer iſt der Vermaledeite, der alle meine Hoffnungen erſchlug 26 da erhob Agneſens Liebſter ſein Haupt, und verſetzte mit grimmigem Haß in den ab⸗ geſpannten Zügen:„Dir hat es gegolten, Du Peinigerin, als eine Sühne für Agneſens Tod! Jetzo iſt meine Hand erlahmt, aber der Himmel genade Dir, ſo Du mir einſt auf meinem Wege begegneſt!“ Er ſank wieder in ſeine Kniee zuſammen, und Oſtertag, verſtummend vor dem fürch⸗ terlichen Schauſpiel, wagte nicht, für Richardis das Wort zu nehmen. Landſäß war dagegen flinker, und begehrte mit rauhen Flüchen den Tod des Elenden, der auch ihm und dem Schurken Gensbein die Hoffnungsſaat zernichtet hatte.


