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Knall des in Trümmer gehenden Schloſſes aufgeſchreckt wor⸗ ven. Sein erſter Gedanke war, Lärm zu machen, ſein zwei⸗ ter, es möchte etwa der Wildherr ſeyn, welcher in dieſer Nacht käme, ſein Wort zu löſen.„O weh,“ ſprach er zu ſich ſelber:„ich bin ein läßiger Bube, ein fauler Pförtner, und halte nicht, was ich ihm zugeſagt.“ Da glitt er längs der Mauer des Ganges zu der Treppe, lief ſchnell hernieder in den Kreuzgang, an die Pforte, welche Heinz wieder an⸗ gelehnt, und fragte in das Dunkel:„Biſt Du's, alter Wild⸗ herr? gib ein Zeichen, Poppele wacht.“—„Ich bin's, guter Freund,“ antwortete Heinz, und griff nach dem Jüngling. Aber Poppele, eine fremde Stimme hörend, geſtachelt von Entſetzen, entwich der tappenden Fauſt, und ſprang mit gellendem Gezeter die Treppe wieder hinan. Wuthentbrannt und ſtolpernd folgte ihm Heinz auf dem Fuße, und, oben an⸗ gelangt, in fernen Gemächern weibliches Gekreiſch vernehmend, ſah er plötzlich, wie der Oberin Gemach aufging, und, die Lampe in der Hand, die tiefverſchleierte Priorin hervortrat, zu deren Knieen Poppele niederſtürzte, mit dem Angſtgeſchrei: „O rette Dich, lieb Mütterlein, ſie kommen, Dich zu töd⸗ ten!“ Heinz, das blanke, lange Meſſer in der Fauſt, ſtutzte einen Augenblick, und Giſela rief:„Was thuſt Du hier? was haſt Du meinen Löchtern an! gib Rechenſchaft der Mutter dieſes Kloſters!“ Heinzens grimmverzerrter Mund heulte ihr die Antwort zu:„Fahr zur Hölle, Mutter dieſer Schlangen, fahre hin, Agneſens Mörderin!“— Die Klinge zielte nach Giſela's Bruſt; den tödtenden Blitz aufzuhalten, klammerte ſich Poppele mit Tigersgewalt an den Feind, der ſich wild ſchüttelte, ledig zu werden der Laſt.„Entflieh!“ ſchnaubte er:„Ich hab's geſchworen, laß mich vollenden!“ Verzweiflungsvoller krallte Poppele die Hand in Heinzens Nacken, verletzte ihn mit Nagel und Zahn. Giſela lehnte


