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ſchloß eröffnen. Alſo geſchah es. Neben dem niedrigen Schwibbogen, ſo in den Garten führte, war ein eng, ver⸗ blindet Fenſterlein, umſponnen von dichtem Drahtgitter; aber Schnee und Regen und Sonnenbrand hatten die Eiſen⸗ fäden durchgefreſſen, und Heinzens prüfende Räuberfinger bereits ohne Lärm die roſtige Schirmdecke abgelöst. Der ſtaubige Rahm, worinnen die Glasſcheiben hingen, wich ſeinerſeits einem vorſichtigen Druck, und geſchmeidiger als ein Fiſch, der mit der Fluth durch eine Felſenſpalte glei⸗ tet, ſchlüpfte der Dieb in das wehrlos preisgegebene Kloſter. Ohne Verzug machte er ſich an die Pforte, ſuchte emſig Hafte und Nagel, wo der Sperrung am leichteſten beizu⸗ kommen; ſeine Fauſt zitterte, nicht vor ſaumſeliger Unge⸗ ſchicklichkeit, denn er war geübt in des Handwerks Kün⸗ ſten; nicht vor Zweifel und Beklemmung, denn er bebte nicht vor unbewaffneten Weibern der Rache lechzende, un⸗ erſättliche Begier zuckte in ſeiner Hand, und verloren ſchien ihm die theure Zeit, denen er bedurfte, das Schloß zu ſprengen.— Endlich krachte das Eiſen, dröhnte einen dumpfen Schlag durch das Haus. Heinz zog langſam die Pforte auf, und von außen fiel des Himmels blaſſer Schein in die Dunkelheit des Kreuzgangs.„Seyd ihr Alle da 2“ fragte der junge Räuber aus hohler Bruſt, und Wildherr, der erſte, reichte ihm ſtumm bejahend die Hand. Hinter ihm ſtrichen vereinzelt die Genoſſen, unter ihnen Richardis, mit wehenden Gewändern, mit flatternden Haaren. Ein Weib?“ fragte Heinz ſchnell und mißtrauiſch:„wer iſt das Weib?“—„Was geht's Dich an?“ entgegnete der Wild⸗ herr, und zugleich drängte ihn Heinz zurück, den Kopf plötz⸗ gegen die nahe Treppe gewendet: Halt inne! verharre noch, ich höre kommen. Rührt euch nicht!
Poppele, der Wächter auf Giſela's Schwelle, war vom


