Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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wurde zumal verliebt, und der Teufel hieß ihn die Roſe aus der Hand der Prinzeſſin nehmen. Da hatte er jedoch was ſchönes angerichtet. Alle wachten auf; die Rüden knurr⸗ ten, die Wächter riefen an, die Trompeter blieſen, die Her⸗ zoge lärmten mit ihren Waffen und Helmen, die Biſchöſe ſangen das benedicite, und der Kaiſer beutelte bedräulich mit dem Kopfe, rechts und links, wieder rechts und links, und ſo fort. Des Kaiſers Tochter ſchrie jedoch lauter, als der ganze Hof, und ſagte dem armen Studenten in vollem Zorn, ſie verdenke ihm ſehr, daß er ſie aufgeweckt habe, und zur Strafe müſſe er alſogleich ſelbſt zu einem Weibsbilde werden, und als eine Nonne in das Kloſter zu Offenhauſen fahren. Und er habe ſich nur ſtutz und eilends davonzuma⸗ chen, wenn er nicht bei lebendigem Leibe verzehrt ſeyn wolle. Da fürchtete er ſich ſehr und lief hinaus, und alles war um ihn her wie zuvor, der Fels, die Eiche und der ganze Ster⸗ nenberg; aber aus ihm war eine Kloſterfrau mit Haut und Haar geworden, und es ging heftig der Wind, und kutzboh⸗ nelte mit Regen und Hagel auf ihn herab, daß Weihel und Kutte trieften.

Bis hieher war von den Nonnen der ſtrengſte Ernſt be⸗ wahrt worden. Nun aber hielten ſie nicht mehr an ſich, und lachten überlaut trotz Hailwigs Gegenwart, daß die ſtrenge Aufſeherin ſelber lächelnd den Mund verzog. Dann riefen ſie mit einer Stimme:Das iſt ein luſtig Mährlein, aber keins zum Fürchten. Wo bleiben die Geſpenſter, Schweſter Simplicia? Das iſt nicht ſchauerlich, iſt nur ein Narrenſtück⸗ lein! Simplicia runzelte die Stirne, ſchuppte ſich ungeduldig auf ihrem Schemel, und verſetzte mit drohendem Finger:Loſes Volk, loſes Volk, das Geſpenſt iſt ſchon da, und die Furcht bleibt nicht aus. Wie nun der Convent mit doppelter Aufmerk⸗ ſamkeit ihrer Rede lauſchte, erzählte ſie weiter:Der verſtellte