Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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uns etwas, waſcht Euere Augen abermals mit kaltem Waſ⸗ ſer; das erfriſcht, gibt hellen Verſtand. Die Nonnen ſammt und ſonders ſtimmten mit Renatens Begehren überein, be⸗ ſpritzten Simplicia's ſchläfriges Angeſicht mit Waſſer, kneip⸗ ten ſie chriſtlich in die Arme und ließen nicht ab, bis ſie, völlig ermuntert, ſich zuſammennahm, dem neugierigen Un⸗ geſtüm genug zu thun. Daher netzte ſie ihre Finger, und ſpann wieder einen neuen Faden an, bat die Mutter Anna, an ihrer Statt das Licht zu putzen, und begann:So will ich denn erzählen, welch ungeheuerliche Geſchichte ſich einſtens vor vielen hundert Jahren in unſerm Kloſter zugetragen hat. Ich hab's euch noch nie geſagt, um euch nicht zu erſchrecken. Wenn ihr jedoch begehrt, euch zu fürchten, ſo mag's drum ſeyn. Es iſt gar eine viſirliche Hiſtvrie.

Angefangen, angefangen, Mutter Simplicia! baten alle Nonnen, der Kreis that ſich enger zuſammen, und die Alte hob an:Einmal war's ein Student von Köln am Rheine. Der hat ſeines Vaters Gut verbutzt und durchge⸗ jagt, verſchlemmt in Ochſenmark, verzecht in Malvaſier. Und als er auf den Grund ſeines Beutels gekommen war, ſagten ihm die Freßbrüder den Handel auf, die Leute beſa⸗ hen ihn nicht mehr, und er empfing Verachtung ſtatt Dan⸗ kes. Da holte er ſein Schülerkleid wieder hervor, und wan⸗ derte fürbaß in Schwaben, und kam eines Tags an den Fuß des Sternenbergs. Er vermeinte allein zu ſeyn, aber der Teufel begegnete ihm, und grüßte ihn als einen Lands⸗ mann, trug ein blaſſes Angeſicht, wie Mondſchein, und Haare, die glichen auf und nieder einem Rocken voll Herbſt⸗ fäden, flatterten abenteuerlich in die Luft. Seine Füße wa⸗ ren gemacht wie die Krallen der Eidechſe, und er war mit einem Wamms von geſchlenzter Seide angethan. Was iſts, Landsmann? Mich hungert, Landsmann. Komm an des