Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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Aufſeherin bei den trägen Weibern erſchien, ſo ruhten plöt⸗ lich die Zungen, und dafür tanzten die Spindeln wohl auf und nieder, und ſah es aus, als wäre kein Wäſſerlein ge⸗ trübt worden. Neben der düſtern Lampe hockte Simplicia, und vergaß ſtets, ihres Amts zu warten, den Docht zu putzen; denn ſie ſchlief beſtändig ein, wie oft ihre Nachba⸗ rin Anna ſie auch mit dem Ellenbogen anſtieß. Die Nonnen gähnten um die Wette, und wollten ſchier nicht zurechtkom⸗ men mit dem Andreher, der ihnen zur Abendarbeit aufge⸗ geben war, ſo, daß Hailwig ſelber, in die Handthierung Leben zu bringen, die Mutter Simplicia zu wecken ging, indem ſie ihr ſagte:Ihr gebt ein übel Beiſpiel, liebſte Schweſter, ſchlummert ſtatt zu ſchaffen, und langweilt den Convent, der von Euch ein ſchönes Mährlein begehrt. Simplicia rieb ſich verſchlafen die Augen, und entgegnete langſam:Ei, iſt das nicht ein fröhlicher Lichtkarz, wo eine

Spinnerin allein den andern die Zeit vertreiben muß? zu⸗

dem möcht ich gern erzählen, aber der Schlummer klebt mir die Augen zu, als wär' die ärgſte Sonnenhitze draußen. Es hat immer was zu bedeuten, wenn mich arg ſchläfert. Sicherlich geiſtert's wieder auf dem Kirchhof herum. Gott ſegne uns die Klöpflinsnächte, in den heiligen Zeiten lau⸗ fen die Geſpenſter zu Hauf.So erzählt uns was von den Geſpenſtern, rief Medora mit Fürwitz;s thut gar zu wohl, wenn man ſich fürchtet, bei der Kunkel, der dam⸗ pfenden Lampe und dem heißen Ofen. Statt darauf Ant⸗ wort zu geben, fuhr Simplicia mit dem Kopfe wackelnd fort:Ich ſag's, Ihr Frauen, es iſt bei uns nicht geheuer. Geht nicht ein Spuck um, ſo iſt's mindeſtens ein Raubthier. Als ich vorhin draußen war, am Brunnen meine Augen zu waſchen, hörte ich das Thier heulen, als ſchliche es um den Gottesackw.Was kümmert uns der Wehrwolf? erzählt