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Als die Oberin vernahm, wie man ſie betrogen, wie Oſter⸗ tag den Biſchof vorgeſtellt, wie Alles abgeredet geweſen, ihr die ſchändlichſte Falle zu legen, da fragte ſie, wie aus einem langen Schlummer erwachend:„Der Convent wußte um den Betrug, und noch fand ſich keine boshafte Zunge, mir, der Unwiſſenden, den giftigen Dolch in das Herz zu drücken?“—„Sie ſparen's, die grauſamen Weiber, glaube mir. Sie hoffen alles von dem Ungeſtüm des ausgeſtoße⸗ nen Vikars, der ihre Klagen vor Prieſter und Laien bringt; ſie zählen auf die Ränke der Richardis, und erwarten mit Sehnſucht den Tag, da ſie ihnen erlauben wird, die Schänd⸗ lichkeit vor Biſchof und Provinzial zur Klage zu bringen, an Deiner Vernichtung ſich zu weiden.“— Ruhig lächelnd, mit erheiterter Bruſt antwortete Giſela hierauf:„Mögen ſie frohlocken im Stillen, denn ihre Bosheit gibt mir den Frie⸗ den. Ich danke Dir, Hailwig, wie nur je für einen Lie⸗
besdienſt gedankt wurde, und bitte Dich, mir jetzo die Ein⸗
ſamkeit zu gönnen. Es thut Noth, wenn man am Ziele ſteht, ſeinen Gedanken eine Stunde zu gönnen. Geh hinab, verrichte Deine Aufſicht bei den Weibern. Da ich nun weiß, wie dieſes Kleid mir nicht gehört, ſo bin ich feſt gewillt, nicht mehr unter dem Convente zu erſcheinen; und der Bi⸗ ſchof erfahre von mir ſelber, was ihm meine Feinde etwa noch nicht ſagen konnten.“— Hailwig gehorchte, innerlich erfreut ob der Faſſung ihrer Schweſter; zündete die Ampel im Gemach der Oberin an, und ſtieg die Treppe hinunter, ſich zu den Kloſterfrauen zu begeben, die im Refektorium, als in einer Kunkelſtube bei einander ſaßen.
In einen Kreis gereiht, hatten ſie loſe Reden gepflogen, die Hände faul ruhen laſſen, und mänchen Scherz an Pop⸗ pele verſucht, der neben der Thüre ſaß, mit einem Rocken im Gürtel, und ſpann, ſo gut es gehen mochte. Als die


