160
verzehrt vom wonniglichen Gram, ſo lodert ſie als eine Höl⸗ lenfackel jenſeits wieder auf, und ich bin verloren für alle Zeiten, ohne Hoffnung und Erbarmen!“
Giſela ſenkte ihr Haupt in die gefalteten Hände nieder, und bemerkte nicht, daß Hailwig einen ſchweren Kampf mit ſich ſelber ſtritt, als ob ſie gedrängt würde, der Freundin etwas Wichtiges zu entdecken, und dennoch wiverſtrebend ſchwiege, aus Furcht, ſie zu verletzen. Indeſſen erhob die Oberin wieder ihren Kopf, ſchlug das Miſſale zu, ſchob es weit von ſich; und zwang ſich, andere Dinge zu denken und zu reden.„Wie ſteht's in unſerm Hauſe?« fragte ſie,„es iſt nicht gut, daß meines Leibes Mattigkeit mich hindert, Theil zu nehmen an der Arbeit meiner Schweſtern; doch wird es ſchleunig beſſer gehen, hoffe ich.“—„Es herrſcht tiefe Ruhe, würdige Mutter. Vielleicht wäre es nur die Windſtille vor dem Sturm, wenn nicht Deine weiſe Für⸗ ſicht die Weiber dergeſtalt eingeſchloſſen hätte, daß von außen nichts zu ihnen zu dringen vermag, was einen Brand an⸗ fachen könnte. Crescenz, die mit der Welt am meiſten verkehrt, iſt treu und eine verſchwiegene Schweſter. So mochte geſchehen, daß für den Convent die Schliche und Ränke der Richardis ein unverbrüchlich Geheimniß blieben. Sie ahnen nicht, daß jene trotzige Feindin in der Nähe lebt, und mit Drohungen verſucht, uns zu ſchrecken und in ihren Willen zu zwingen.“—„O, dieſe Richardis! einer böſen Peſt zu vergleichen, die umherſchleicht, ihre Opfer zu ſuchen. Baute ich nicht auf die Gnade Gottes und ſeine Allwiſſen⸗ heit, ich hätte nirgends Raſt, ſo lang die Frevlerin mit ihrem Helfershelfer, dem abſcheulichen Gensbein, neben uns verweilt. Aber Gott wird ſchützen, der Herr wird ſchirmen. Sind nicht die beiden ſchon gerettet, nach denen die Böſe⸗ wichter ihre Hände ſtreckten? Poppele ſicher hinter unſern


