Scherer ſchwieg lange Zeit, den finſteren Blick bald an den Boden, bald auf des Sprechers Antlitz geheftet, und ant⸗ wortete faſt lautlos:„Wie ich ausſehe? wie ein an's Kreuz geſchlagener Staudenhecht. Oſtertag, ich möchte weinen, mein Herzblut weinen, aber die Wuth hält mich aufrecht. Erlaſſe mir jedoch, Dir zu erzählen..— Der Herr von Friedingen winkte ihm mit der Hand, und wendete ſein ſcharfes Auge mitleidig von ihm, ſprechend:„Laß gut ſeyn⸗ Du guter Geſell. Ich weiß bereits„ich fühle Dein Unglück tief.“—„Endlich ein Menſch, der mich nicht ver⸗ ſtößt, wie einen Hund!“ ſeufzte der Landſäß mit ausbre⸗ chender Wehmuth,„meine Feinde verſpotten, meine Freunde fliehen mich, meine Sippſchaft raubt mir, als einem Ehr⸗ loſen, meine Habe. Sey Du mir mehr als Freund und Blutsverwandter! halte mich mit Deiner Hand empor, bis ich das letzte Ziel meines Lebens erreicht, in der Bruſt des Sperberseck mein Schwert umgedreht, in ſeinem Blute mich rein gewaſchen habe. Dann werde mit mir, was da willz hier ſoll es ſich vollenden, denn er kömmt, wenn nicht Alles wider mich iſt. Er kömmt im Gefolge des Kaiſers.“— „Recht,“ antwortete Oſtertag mit wilder Freude,„heute Abend trifft der Kaiſer ein, trotz der Weigerung der reut⸗ lingiſchen Pfefferſäcke. Gute Jagd, Du armer Landſäß! und ich will Dir beiſtehen mit Rath und Hand, ſo Du mir verſprichſt, Deine Fauſt zu einem Streiche herzuleihen, den ich vorhabe, und deſſen Ausführung des Kaiſers Zug begünſtigt.“—„Der Deine auf Leben und Tod!“ gelobte Scherer mit einem Handſchlag. Hierauf wendete ſich der Friedingen zu dem Bader, der an der leis geöffneten Kam⸗ merthür lauſchte, und ſprach:„Vor dieſem Freunde habe ich kein Geheimniß. Wie ſteht's mit dem Wildherrn?“ —„Keine Nachricht, geſtrenger Herr.“— Darob ergrimmie der Friedingen innerlich, und rief:„So ſchlage der
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41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
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