Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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telte dann den Kopf, und ftäubte die Haare des Pa⸗ tienten abermals dick mit Kleie ein, rieb hierauf ſtärker wie zuvor, packte die Locken zu beiden Seiten des Kopfes als wie mit Schmiedefäuſten, wand ſie feſt an einander, gleich fühlloſen Garnfträngen, und vergalt auf dieſe Weiſe durch manchen Ruck und Kniff und Schmerz dem Fremdling die harte Rede. Auch ſprach er nicht mehr, aber da die Zeit gekommen war, mit dem Meſſingkamm das gezwagte Haupt völlig zu reinigen und zu ordnen, mochte er ſeiner Zunge nicht länger Gewalt anthun, und plauderte mit der Schnelligkeit eines Waldſtroms:Ich bin ein gutes Närr⸗ lein, Herr, ſo wie ich der ehrlichſte Mann in ganz Reutlin⸗ gen bin, weil ich Euch ſo rechtſchaffen herausputze, der trutziglichen Rede ungeachtet, womit Ihr meine Ehre ver⸗ wundet habt.Deine Ehre? fragte der Andere mit ſpöttiſchem Lächeln,eines Baders Ehre? ſeyd ihr denn beſſer als die Hirten, als die Abdecker und Waſenknechte? Meiſter Cun ließ voll Entſetzen den meſſingenen Kamm zur Erde fallen, ſchlug ein Kreuz wie vor dem Teufel, und rief:Ich ſollte Euch verklagen, ſollte des Kaiſers Recht anſchreien ob ſolchem Unglimpf! Wir unehrlich? als ob nicht Kaiſer Wenzel uns ehrlich geſprochen, als ob er uns nicht ein Wappen gegeben hätte! Ihr ſeyd gewiß ein Edel⸗ mann oder ein Student von der Tübinger Schule, welcher daſelbſt einen böſen Handel angerichtet und ſich in unſere gute Stadt geflüchtet hat. Ei, Herr, da könnt Ihr ganz ruhig ſeyn; wir ſind ſtark und mächtig, die Römer waren's kaum wie wir. Wir liefern Keinen aus, wir ſind nur dem Reiche unterthan, und wo iſt das Reich? Sagt es mir. Nirgends iſt das Reich, und am allerwenigſten im Kaiſer, der im Land herumfährt, wie ein Schüler, und kein Ob⸗ dach hat, und auf Koſten der Fürſten und Reichsſtädte zehrt, weil ihm der ſchwarze Ungar ſein bischen Land genommen.