Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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ſchieden. In den Städten iſt's noch am Beſten, und am allerbeſten in unſerem Reutlingen. Wir ſcheren uns nicht um Kaiſer, König und Pabſt, wir ſind freie Leute, wie die alten Heiden zu Rom. Habt Ihr ſchon die Marienkirche beſucht? Ein ſolches Münſter iſt noch gar nicht erlebt wor⸗ den. Was ich auf meiner Wanderſchaft geſehen, iſt eitel Pfifferling gegen unſer Gotteshaus. Aber wir haben das Geld, und die Kunſt, und die Macht; Rom wird nicht größer geweſen ſeyn als Reutlingen. Und der Bock in un⸗ ſerer Marienkirche, der Sturmbock, der ſo viel Schuhe hat als das Langhaus; habt Ihr ſchon von dem Bock gehört? Das war der Reutlinger Sieg; der Pfaffenkönig aus Tü⸗ bingen hat ſeinen Bock ſchön dahinten laſſen müſſen, da er unſere Stadt nicht gewinnen mochte. Aber der verlogene Würtemberger, der Raufhahn, der alte Eberhard iſt noch ſchlechter weggekommen. Seht, mein Haus iſt ein armes Häuslein, aber ich gäb es nicht für viel Geld; warum? weil es an dem Gartenthörlein ſteht. Was iſt's mit dem Gartenthörlein? Reutlingen hat gar viele ſchöne Thore, und doch iſt mir das Ausfallthörlein das liebſte, weil die Reutlinger da hinausfielen, und die Würtemberger todt ſchlugen, daß es krachte. Der Ulrich kam freilich davon, aber deſto ſchlimmer für ihn, weil ſein Vater zu ihm ſagte: Du gehörſt an die Kunkel und nicht in das Feld; und ſchnitt das Tiſchtuch ſtutz und eilends zwiſchen ihnen durch, daß ferner keine Gemeinſchaft unter ihnen war. Der alte Rau⸗ fer hatte Recht, was meint Ihr? Ein Mann der davon läuft, ein Ritter, der ſich ergibt, das ſind erbärmliche Ge⸗ ſellen.Potz hinkende Gans! murrte der Fremde un⸗ geduldig unter den Fäuſten des Baders,ſorgt Euers Hand⸗ werks, und ſchwatzt nicht in den Tag hinein von Dingen, ſo Ihr nicht verſteht.

Meiſter Cun hielt einen Augenblick betroffen inne, ſchüt⸗