Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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berde an den langen Dolch, der in ſeinem Gürtel hing, und der pfiffige Cun war alſogleich eines Beſſeren belehrt, geſchmeidig ſagend:Nehmt meine Frage nicht krumm, lieb⸗ ſter Freund, der ungewöhnliche Bart machte mich glauben, was Eure mannliche Gewohnheit Lügen ſtraft.Ich habe ein Gelöbniß gethan, mir den Bart eine Weile nicht ſcheren zu laſſen, redete der Andere kurz und finſter:ſpu⸗ tet Euch jedoch, mir das Haar vom Wanderſtaube zu rei⸗ nigen.

Weil der Bader in ſeinem Gaſte nun weder einen Ju⸗ den noch einen Bettler vermuthen durfte, öffnete er geſchäf⸗ tig die Kammer, rückte mit Behendigkeit den Zwagſtuhl herbei, und winkte dem Anderen, ſich auf die Stufe deſſel⸗ ben zu knieen, die Ellenbogen auf das Querbret zu ſtützen und den Kopf in ſeine Hände zu legen. Dann füllte er das Becken mit warmem Waſſer, ſchürzte die Hemdärmel in die Höhe, und taufte des Fremdlings Haupt zu wiederholten Malen, und ſtrich die triefenden Haare fleißig mit dem rein⸗ lichen Schwamm.Ihr ſollt blank hervorgehen, wie ein Engelein, plauderte er geſchwätzig,niemand verſteht in Anſerer guten Stadt Reutlingen das Zwagen beſſer, als Euer gehorſamer Knecht, und meine Lauge thut Wunder. Zumal griff er in die daneben hängende Büchſe, ſtreute ein paar Hände voll Kleie auf des Fremden Scheitel, und rieb damit die naſſen Locken. Unter der Arbeit ermüdete jedoch ſeine Neugier nicht, und er ſchwatzte nimmer ruhend wie ein Staar:Ich ſetze meinen Kopf an einen Heller, daß unter Euerm ſchlichten Wamms ein ehrlicher, fürnehmer Mann ſteckt. In dieſen ſchwebenden Läuften, in unſerer ſchlimmen, närriſchen Zeit trifft ſich's wohl, daß einer zu Fuß geht, der auf das Roß gehört, und gewiſſen Leuten ausweichen muß, weil dieſe ſeine Feinde ſind. Ja, es iſt nun nicht anders, und nicht einem Jeden iſt die Ruhe be⸗