Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

innerhalb der Mauern des florirenden Reutlingen. Die Kaufleute und Krämer hatten alle Hände voll zu thun, die Grempler und Merzler handelten aus, handelten ein, die Bauern der Umgegend ſetzten ihre Waaren gegen blankes Geld oder gegen Tücher, Leder, und andere Bedürfniſſe um. In dem geräuſchvollen Verkehr eine gewiſſe Ord⸗

nung zu erhalten, den Markwucherern und Marktdieben

auf die Finger zu ſehen, die Gebote des fürſichtigen Rathes zu handhaben, ſtrichen die Büttel vereinzelt umher, und wogen das Schmalz, und ſtraften betrügeriſche Becker und Fleiſcher, miſchten ſich ein, wo im Zorne die Meſſer ge⸗ zuckt wurden, verſuchten den auf der Straße aus den Fäſ⸗ ſern geſchenkten Wein, und lauerten insgeheim auf alle, die den Frieden der Stadt nicht mehr hatten, aus ihrem Weich⸗ bilde gewieſen waren, und etwa den Markttag benutzt hat⸗ ten, ſich widerrechtlich einzuſchleichen, um zu verhöhnen des Richters Spruch, ihre hintergangenen Gläubiger oder die von ihnen an Leib und Ehr Geſchädigten. Ein ſol⸗ cher Rathsknecht trat plötzlich in Scheibenharts Fußtapfen, folgte ihm auf Schritt und Tritt, und ob der ſchlaue Räu⸗ ber gleich den unwillkommenen Schattenmann bemerkte, und der Umwege und Wiedergänge manche anßellte, denſelben zu ermüden und los zu werden, ſo brachte er's nicht dahin, kehrte ſich daher an einer Ecke der Marienkirche kurz auf ſeinem Abſatz um, und fragte trutzig wie das reinſte Ge⸗ wiſſen:Was ſchaffſt Du mit mir, guter Freund, und biſt Du an meine Ferſe gebannt? Worauf der Büttel, zur Vorſorge die Hand an ſeine Wehre legend, mit heimtücki⸗ ſchem Lächeln verſetzte:Ich bin ein Wunderfitz, und will von Dir vernehmen, ob Du nicht etwa der Hannes von Böhringen ſeyeſt, mit dem ich ein Wörtlein zu ſprechen hätte.Der Hannes? davon iſt keine Rede, Scherg. Will's glauben; wiederhole mir's jedoch vor dem Rich⸗