Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

in den ſchrecklichen Verließen des Wittlinger Schloſſes. Nie⸗ mand außer Dir kennt mich in meiner jetzigen Geſtalt. was hätte ich zu fürchten?Alles, Du verfehmter Mann, das Girren einer Wetterfahne, das Gebell eines Hundes, das Lied eines Vogels. Traue nicht dem Pfaffen im Beichtſtuhl, er plaudert Dein Geheimniß aus. Nur noch wenige Tage, und meine Buße iſt zu Ende, und ich darf den Leib des Herrn genießen. Das iſt's, was ich will, und ich wäre nimmer ruhig geworden, hätte ich mir länger noch das Sündenbad verſagt.Unbegreiflich! juſt war Dein Zorn und Grimm heller aufgelodert, als je, Du hatteſt geſchworen, der Edelleute Schlöſſer zu brennen und zu ſengen, und Dein Grimm erloſch, nachdem Du kaum die erſte Fackel angeſtoßen!Das war's eben, mein wackerer Knabe. Als die Sperberseck brannte, und mir erſt mitten in den Flammen der Irrthum verra⸗ then wurde, dem ich mich hingegeben als ich merkte, daß ich den Unſchuldigen ſchlug, während der Schul⸗ dige fern war, als das herzzerreißende Geſchrei der armen Edelfrau und ihrer unmündigen Kindlein, welche im Thurme ſchier zu Tode geröſtet wurden, in mein Ohr drang, als über all dieſen Schrecken der alte Herr von Sperberseck ſein Augenlicht einbüßte, da fühlte ich mich mit harten Keu⸗ lenſchlägen zerſchmettert, und ich kam mir vor, wie von Blute triefend, und als leckte an jedem Haare des wüthen⸗ den Mordbrenners eine Flamme der Verdammniß. Wie leicht werde ich athmen, bin ich einmal wieder in die Ge⸗ meinſchaft der Chriſten getreten!Und alsdann? was wirſt Du dann beginnen? in eine Kutte kriechen, das Le⸗ ben eines Nollharden führen, in einer ſchmutzigen Wald⸗ hütte, von Kräutern zehrend, und wiederkäuend, wie der König von Aſſprien oder Babylon?

Der Wildherr lächelte, und verſetzte ganz unbefangen: