6
bringſt Du Neues?“—„Den Gruß unſerer Brüder und Gefährten, die ohne Rath verzweifeln, weil ihnen die ta⸗ pferſte Fauſt gebricht. Du ſiehſt, daß es nicht viel iſt, was ich bringe, aber Dich möchte ich mit mir hinwegführen, rü⸗ ſtig, ſtark, entſchloſſen wie ehemals.“—„Es hat noch Zeit.“—„Immer dieſelbe Antwort, ſtets dieſelbe Aus⸗ flucht. Ich kenne Dich nicht mehr, Du biſt verzaubert, und nicht etwa von einer kecken, wilden Hexe, ſondern von ei⸗ nem ſchläfrigen Pfaffen. Deine Ruhe iſt ruhmlos, Dein Friede iſt Trägheit, Erſchlaffung.“
Als der Wildherr Miene machte, mit einem drohenden Blicke Scheibenharts böſe Zunge zu bändigen, fuhr der Letztere ungeſtüm fort:„Du ſchreckſt mich nicht. Ich zweifle an der Schärfe Deines Dolchs, wie an Deiner Kraft. Du, der des Landes Entſetzen geweſen, verkriechſt Dich in Kir⸗ chen und Kapellen, wallfahrteſt zu wunderthätigen Vesper⸗ bildern, bereicherſt der Pfaffen Opferſtöcke, und die Almo⸗ ſenbüchſen der Sonderſiechen.“—„Warum nicht? einſt freute mich der Mord, jetzo freut mich die Buße. Thue wie ich, wackerer Knabe, beſtreue Dein Haupt mit Aſche, hülle Dich in den härenen Sack.“—„Warum nicht gar? Ich fühle mich nicht aufgelegt, einen Mummenſchanz zu begin⸗ nen, der mir in der tiefſten Seele zuwider iſt. Seltſame Poſſen, mit ausgeſpannten Armen vor den Kirchenthüren zu liegen, als eine demüthige Schwelle, worüber der Fuß der gläubigen Chriſten zu ſchreiten hat. Haſt Du keine Sorge für Deinen eigenen Leib? Fürchteſt Du nicht den Verräther, der vor den Richter hintreten möchte, und ihm ſagen: Komm, ich zeige Dir den Mann, auf deſſen Kopf der hohe Preis ſteht, und er iſt ſchon in Deinem Netz und läßt ſich gutwillig fangen?“—„Wer ſollte mich verra⸗ then? Lamparter liegt begraben unter den Brandtrümmern der Sperberseck, Märten ſitzt, als Wilderer eingefangen,
—
—
—


