Teil eines Werkes 
40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
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Staub zermalmt ihre Hoffnung, ihres Lebens ſeligſte Er⸗ wartung. Dieſe Höhle des Gräuels, die ſtille Andachts⸗ ſtätte, von der ſie geträumt; dieſe Erniedrigung unter den Scepter der Bosheit; der Schatz, dem ſie ihre Jugend ver⸗ lobt; die ſchändliche Richardis, aller Sünden voll, die Leß⸗ rerin und Mutter, woran ſie geglaubt mit kindlicher Hoff⸗ nung; ein Ausgang in Kummer und Verzweiflung, ſtatt des ſeligen Endes, das ſie in den Kloſtermauern erwartet! Peinlicher denn alles, was ſich vor ihren Augen begeben, erſchütterte ſie ihrer eigenen Empfindungen fürchterlicher, wechſelvoller Drang. Bald kochte in ihrem ſtolzen Buſen der Haß, die Mahnung, zu vergelten, die Geißel über die Sünderinnen zu ſchwingen, ſtatt damit den eigenen reinen Leib zu zerreißen; bald ſprach wieder ihre Frömmigkeit von dem unſterblichen Verdienſte der Ergebung, der Entſagung; dann waren ihre Thränen nahe, Thränen der Sehnſucht nach ihrer leiblichen Mutter, die ſie ohne Tröſtung ver⸗ laſſen, nach ihrem Vater ſogar, den die Entfernung ihr zum erſtenmal ehrwürdig machte; endlich meldete ſich die Reue, den zu wenig gekannten Dornenpfad betreten, das Bewußtſeyn, vielleicht eine ſanftere Lebensbahn ver⸗ ſcherzt zu haben.! Als bei dieſen Gedanken eine Geſtalt der Vergangenheit vor ihr auftauchte, wie ein Ge⸗ bilde des Schlummers, wie ein Blendwerk des Verſuchers:

eines Mannes Geſtalt... da ſchanderte ſie ſchmerzhaft

zuſammen, klammerte ſich, gleichſam nach einer rettenden Hand greifend, an Heinrikens ſchwarzes Lager, und ſuchte Zerſtreuung, Kräftigung in den ernſthaften Zügen der ent⸗ ſchlafenen Nonne, die im Tode freundlicher ausſah, denn um Leben, und mit ihrer Marmorweiße das blanke Gewand beſchämte, welches ihre Glieder züchtiglich verhüllte.

Da gewahrte Giſela einen Menſchen an ihrer Seite, ginen ſebendigen Menſchen, den armen Poppele. Er hockte