Teil eines Werkes 
40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
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dürfen. Die Selbſtmörderin Agnes, die von Gott geſchla⸗ gene Heinrike ſollen nicht unſere Gruft verunreinigen. Hin⸗ weg mit den ſchmach bedeckten Leibern nach dem Orte, wo ſie hingehören; in's öde Feld, oder an die Mauer des Gottesackers!

Es ſey, wie Du im Namen des Convents verlangſt, entgegnete die Priorin freundlich:Laß uns warten bis Mitternacht, und dann im vollen Zuge die unwürdigen Leichen holen. Wann die Schweſtern vom ſüßen Weine trunken und ermuthigt ſeyn werden, will ich die Knechte wecken laſſen, daß ſie den Gruftſtein heben, und Hand an die entweibten Gottesbräute legen. Auf dem Friedhofe gähnen nächſt der Mauer zwei eingeſunkene Gräber; dort beſtatten wir bei Fackelſchein die Sünderinnen, und das Weitere findet ſich. Doppelt ausgelaſſen führten nun die beruhigten Buhlſchweſtern das Wort bei dem freveln⸗ den Gelage, und rißen durch ihre Reden, durch ihr Thun und böſer Luſt Gewohnheit die Gefährtinnen mit ſich im Tau⸗ mel dahin, daß der Schmaus nicht anders, denn ein wil⸗ des Geſchlemme verkleideter Knaben anzuſchauen war.

Während ſolche Auftritte ſich im Innern des Hauſes begaben, ſaß Giſela gedankenvoll unter dem ewigen Lichte in der Kirche, neben Heinrikens Bahre, und blickte unver⸗ wandt auf die Sanduhr zu ihren Füßen. Hailwig, ſchwach und erſchöpft, ſchlummerte tief, in dem entfernten Beicht⸗ ſtuhle niedergeſunken. Giſela hatte eben mit Beten nach⸗ gelaſſen, und beſchaute die finſtern Bilder, die an ihrer Seele vorüberzogen, während Korn auf Korn des ſtummen Zeitmeſſers verrann. Der unglücklichen Getäuſchten war zu Muthe, als vb aus ihrem gewaltſam gepreßten Herzen ein Blutquell hervorbrechen müſſe, ſo viel des Schmerzens war darinnen. Die Träume dahin, an denen ſie ſich hoffärtig geletzt, hinweggeſchwemmt der Schmelz ihrer Jugend, zu