Teil eines Werkes 
40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
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war dieſer jähe Todesfall nicht in der That eine Verheißung zukünftiger Strafen? Sie wußten dieſe Fragen nicht zu beantworten, wußten keinen Rath in dieſer gefährlichen Stunde. Der Boden brannte unter ihren Füßen; das hei⸗ tere Firmament, ihrer Feindinnen Ermuthigung, dünkte ihnen ein ſchwarzes Leichentuch. Ihre Kleingläubigkeit ach⸗ tete das Unglück als eine Sünde, ſah in der geſchiedenen Schweſter eine von Gott Geſchlagene. Da ſie nicht rede⸗ ten, ſondern nur weinten, da ſie nur zu ſeufzen und nicht zu gebieten wußten, ſchärften im Siegesvorgefühl die Gna⸗ denzeller Nonnen ihrer Zungen giftige Bolzen, und fielen

die ohnmächtigen Gegnerinnen gleich wilden Thieren an.

Was ſäumen wir, dieſe Gleißnerinnen aus unſern Mauern zu jagen? rief Renata, deren Schönheit von Wuth und Rachgier entſtellt wurde.Warum glauben wir nicht an die Vorzeichen, die uns der Himmel gab? fragte Sim⸗ plicia kreiſchend, als ob der LTod ſie bei der Kappe hielte. Agneſens Hintritt, das plötzliche Verſcheiden der Demuth⸗ warum öffneten ſie nicht unſere Augen? fiel Medora, hetzend und ſtachelnd, ein.Treibt ſie aus, die Teufelin⸗ nen, die unſer Gotteshaus verwüſten, ſchrie Benedikta, und ſchwang drohend ihren ſchweren Roſenkranz.Mauert ſie ein, neben der Blende, wo die frevelhafte Judith ver⸗ pungerte, ſetzte Euſtachia ſchäumend hinzu, mit grauſamer Schadenfreude der Hinrichtung gedenkend, der ſie als No⸗ vizin vor Zeiten beigewohnt.Lange genug haben wir die Unglücksraben gefüttert! ſchnaubte Gertrud, die ungetreue Kaſtnerin.Fort mit den unbefleckten Mägden, die des Himmels Strahl richtet! höhnte Barbara, und ſtieß mit dem Fuße nach Heinrite, die von der Glöcknerin Haupt den Wetterſtrahl auf ihr eigenes genommen.Geht heim an Eure faulen Tafeln; Euch war ja alles hier zu ſchlecht mahnte Anna mit ſchwerfälligem Neide; und Richardis